Hermann-Sudermann-Preis

Sudermann ca. 1928

DER PREIS

Der Hermann-Sudermann-Preis für Dramatiker würdigt herausragende Leistungen im Bereich der deutschsprachigen Dramatik.
Die Hermann Sudermann Stiftung verleiht alle zwei Jahre in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater Berlin den mit 5.000 EUR dotierten Preis im Rahmen des Festivals Autorentheatertage. Diese Kooperation ist eine um so glücklichere Fügung, als Hermann Sudermann um 1900 mehrere Uraufführungen seiner Stücke am Deutschen Theater erlebte.

Eine vierköpfige Jury, in der Zusammensetzung aus zwei Dramaturgen des Deutschen Theaters sowie zwei Vorstandsmitgliedern der Hermann Sudermann Stiftung, wählt aus dem Kreis der AutorInnen, die mit Gastspielen ihrer Stücke zu den Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin eingeladen sind, den Preisträger aus.

Der diesjährigen Jury gehörten die beiden Dramaturgen des Deutschen Theaters Berlin, Christa Müller und Prof. Dr. John von Düffel, sowie die Vorstandsmitglieder der Hermann Sudermann Stiftung, Dr. Karen Bork und Dorothea Steffens, an.

Der Hermann-Sudermann-Preis für Dramatiker 2015 ging an Nis-Momme Stockmann

Der Dramatiker Nis-Momme Stockmann erhielt den mit 5.000 EUR dotierten Hermann-Sudermann-Preis für sein Werk Phosphoros am 20. Juni 2015 verliehen.

Aus der Urteilsbegründung:
In einer weitausholenden, gleichsam ein- und ausatmenden Geste verbindet Nis-Momme Stockmann bravourös physikalische Einsichten in die Zeitstruktur mit philosophischen Fragen nach Schicksal und Wille. Wenn in der finalen Zuspitzung des Sturms die Welt in Raum-Zeitpartikel zersplittert, wie auch das persönliche Glücksstreben der Figuren in die Brüche geht, so ist hier Gesellschaft dennoch utopisch fortgedacht, da die Tabula rasa zwingend die neuerliche Konstruktion nach sich zieht.

PreisträgerInnen
2013 Felicia Zeller für ihr Stück X-Freunde
2015 Nis-Momme Stockmann für sein Stück Phosphoros

 

GESCHICHTE DES PREISES

Sein großer literarischer und auch kommerzieller Erfolg war Hermann Sudermann keineswegs in die Wiege gelegt. Nur unter schwierigsten Bedingungen konnte er seinen von früh an gehegten Traum vom Schreiben verwirklichen. Gegen viele Widerstände und in teilweise bedrückenden finanziellen Verhältnissen verliefen seine ersten Jahre als junger Schriftsteller. Eine Erfahrung, die ihn prägte und die er nie vergaß. Auch sein letzter Wille war von dem Wunsch durchdrungen, notleidenden Schriftstellern zur Seite zu stehen.
Ursprünglich hatte Sudermann in seinem Testament verfügt, in seinem geliebten Schloss Blankensee ein Schriftstellerheim für kranke und notleidende Kollegen zu errichten. Die Zeitläufe – der Zweite Weltkrieg, die deutsche Teilung – haben dies verhindert. Ungeachtet dessen unterstützte die Hermann Sudermann Stiftung in den Jahren 1955 bis 2011 insgesamt 136 bedürftige Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit Autorenspenden; viele darunter auch mehrfach.

Zu den Spendenempfängern zählten so namhafte AutorInnen wie:

Margret Boveri (1900-1975): Autorenspende 1972
Ingeborg Drewitz (1923-1986): Autorenspende 1968
Karla Höcker (1901-1992): 14 Autorenspenden zwischen 1957 und 1990
Wolfgang Koeppen (1906-1996): Autorenspende 1973
Karl Krolow (1915-1999): Autorenspende 1989
Wolfdietrich Schnurre (1920-1989): Autorenspende 1977, 1987
Hans Joachim Sell (1920-2007): Autorenspende 1981, 1988, 1994, 1995, 2001

Die Hermann Sudermann Stiftung freut sich rückblickend, all jenen und vielen mehr die schriftstellerische Tätigkeit ein Stück weit erleichtert zu haben.
Da die geltende Sozialgesetzgebung jedoch Änderungen unterliegt, wonach Zuwendungen von Stiftungen mit Sozialleistungen des Staates zu verrechnen sind, so dass der subsidiäre Ansatz von Stiftungen ad absurdum geführt wird, beendete der Vorstand der Hermann Sudermann Stiftung die Vergabe von Autorenspenden im Jahr 2012.

Mit Hilfes des neu geschaffenen Hermann-Sudermann-Preises für Dramatiker soll das herausragende Werk eines deutschsprachigen Bühnenautoren oder einer Bühnenautorin gewürdigt werden. Doch auch hier bleibt der soziale Aspekt in Hermann Sudermanns Vermächtnis gewahrt. Ca. 80 Prozent der Autoren können heute noch nicht von ihrer schriftstellerischen Arbeit allein leben. Der Preis reflektiert diesen Umstand und sucht SchriftstellerInnen auf ihrem literarischen Weg zu bestärken. Darin findet Hermann Sudermanns soziales Engagement seine Fortsetzung, der bereits 1928 mit einem großzügigen Legat Not leidenden Kollegen zur Seite stand.